Songwriting mit Weitblick? Ein Bundeslagerlied wird geboren

Peter Staab hatte die Ehre, dass diesjährige Bundeslagerlied schreiben zu dürfen. Dies geschah nicht ohne Selbstzweifel. Was da passiert ist? Lest selbst.
Jedes Bundeslager muss ein eigenes Lagerlied haben. Die Anforderungen an ein Lagerlied sind gar nicht so einfach, wie man denken könnt. Es muss eine Hymne sein, ergreifend, aber nicht pathetisch. Es muss einfach sein, aber nicht peinlich. Die Akkorde müssen für Gitarrenlegastheniker spielbar, das Lied darf aber nicht langweilig sein. Der Text muss zum Motto des Lagers passen, sollte aber nicht zu platt wirken.

Und sie dreht sich, dreht sich…

Der VCP hat schon einige großartige Lagerlieder erlebt. „Nur eine Welt“ aus 1988 war ein Hit. Der Refrain von „Und sie dreht sich doch“ aus 1998 nervte fürchterlich, verführte aber zum Mittanzen. Der Text von „Grenzenlos“ aus 1992 war vielleicht doch eine Spur zu sozialpädagogisch. Die Lagerlieder: „Jurtown“ von 2002 und „Leinen los“ von 2010 werden bis heute gesungen.
Auch das Bundeslager 2017 braucht selbstverständlich ein Lagerlied. Und Peter, der davor auf keine ausgeprägte Erfolgsgeschichte als Songschreiber zurückblicken konnte, war größenwahnsinnig genug, seinen Vorschlag beisteuern zu wollen. Der Text sollte etwas mit dem Motto „Weitblick“ zu tun haben, Martin Luther durfte gerne darin vorkommen und natürlich musste der seit „Nur eine Welt“ standardmäßige Appell, (nur) gemeinsam die Welt verbessern zu können, ebenso mit aufgenommen werden. Dazu kamen die Akkorde G, C, D und e und schon war ein Lagerliedvorschlag geboren.

War der Vorschlag gut genug um vorgestellt werden zu können? Ach egal. Peter war überzeugt davon, es werde sich schon jemand finden, der einen geeigneteren Vorschlag komponieren werde. Fand sich aber leider nicht. Um kompositorische Schwächen zu kaschieren, sollte das neugeborene Bundeslagerlied in einem Tonstudio wenigstens professionell aufgenommen werden. Es war schnell klar, dass spätestens hier Peters aktive Beteiligung am Liedentstehungsprozess enden musste. Der Begriff „professionell“ beschreibt weder seine Sanges- noch seine Gitarrenkünste. Gut, dass sich Leo NieMals Diedrich-Schröder, die nicht nur „Zombie“ besser als die Cranberries singen kann, sondern auch „Leinen los“ geschrieben und gesungen hatte, bereit erklärte, den Song mit ihrer Band Lescheer einzuspielen.

Rettung durch die Bananen-Piraten…

Man verabredete sich also an einem Montagabend in den „Banana Pirates Studios“ in Bad Dürkheim. Die Studios machten ihrem Namen alle Ehre. Alles in Schwarz und Gelb gehalten, alle Ebenen mit wahnsinnigen Lichtkonstruktionen beleuchtet, das Haus selbst mit verschiedensten Piratenflaggen, Plüsch- und Plastikbananen bestückt. Die Gartenzwerge im Vorgarten trugen Leder und schwangen E-Gitarren oder Säbel und reckten Zeige- und kleinen Finger gen Himmel.
Oben begrüßte uns unser Toningenieur und führte ins Tonstudio. Dann begann eine Tortur, die Peter schwören ließ, das Lied nie wieder hören zu wollen. Zuerst spielte der Gitarrist seine Spur ein. Sicher 50 Mal hörten wir getrennt voneinander Strophe und Refrain. Der Schlagzeuger, der Ärmste musste eine Stunde lang den gleichen Rhythmus spielen, bis unser Aufnahmeleiter zufrieden war. Es gipfelte in einem ca. 75 Mal durch Leo eingesungenen Refrain, gefolgt von Tamburin und Rassel.
Nach fünf Stunden war es geschafft und 60 Tonspuren aufgenommen. Das Ergebnis könnt ihr jetzt hören (und mitsingen).

Hoffentlich geht ihr, liebe Leserinnen und Leser, der VCP und die Weltgeschichte gnädig mit diesem Lied um. Falls nicht und ihr jemanden zur Verantwortung ziehen wollt, nehmt nicht die Band, sondern Peter. Den erkennt ihr übrigens auf dem Bundeslager ganz leicht. Nein? Dann schaut euch in anp den Irren aus dem Bundeslagercomic genau an…